Wissenschaftliche Grundlagen

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Wissenschaftliche Grundlagen

 

Die Medizinische Trainingstherapie nach Dr. Alfen basiert auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird durch eigene Untersuchungen, die in Kooperation mit zahlreichen Universitäten durchgeführt werden, ständig weiterentwickelt.

 

Ein Überblick der aktuellen wissenschaftlichen Literatur:

 

Atrophien in der tiefliegenden autochthonen Rückenmuskulatur gelten als Hauptursache für chronische Rücken- und Nackenbeschwerden

 

Eine Vielzahl an Studien hat mittlerweile klar belegt, dass die paraspinalen autochthonen Rückenmuskeln eine Schlüsselfunktion in der Stabilisierung der Wirbelsäule haben (Steele et al., 2014). Eine Schwächung (Atrophie) dieser tiefliegenden Muskulatur stellt einen deutlichen Risikofaktor für die Entwicklung von akuten und chronischen Rückenschmerzen dar (Steele et al., 2015a). Durch gezieltes Trainieren dieser Muskulatur kann jedoch dieses Risiko reduziert und bereits vorhandene Schmerzen beseitigt werden (Steele et al., 2015a). Morphologische Studien haben gezeigt, dass Patienten mit chronischen Rücken- und Nackenbeschwerden im Vergleich zu gesunden Menschen eine deutliche Atrophie der autochthonen Muskulatur aufweisen sowie lokale muskuläre Fetteinlagerungen (Fernandez-de-las-Penas et al., 2008; Eliott et al., 2014; Le Cara et al., 2014; Teichthal et al., 2015a). Zudem ist die motorische Ansteuerung und Kontrolle dieser Muskeln oftmals stark beeinträchtigt (Masse-Alarie et al, 2016). Diese morphologischen und neuromuskulären Veränderungen bewirken einen zunehmenden Stabilitätsverlust im Wirbelsäulenbereich und begünstigt die Entstehung von Bandscheibenvorfälle und degenerativen Veränderungen wie Spondylarthrosen und Stenosen (Ekin et al., 2016; Fortin et al., 2017; Hicks et al., 2009). Es kann also gefolgert werden, dass eine starke autochthone Rückenmuskulatur für einen gesunden Rücken nachweislich essentiell ist.

 

Sportliche Aktivitäten haben nur einen begrenzten Effekt auf die Beschwerden

 

Zahlreiche Studien haben bisweilen gezeigt, dass die körperliche Inaktivität im Allgemeinen zwangsläufig zu einer Instabilität in der Wirbelsäule und somit zu Rückenschmerzen führt (Teichthal et al., 2015b). Dieser Zusammenhang ist mit zunehmendem Alter sogar noch deutlicher ausgeprägt (Dahlqvist et al., 2017; Hicks et al. 2009). Trotzdem scheint Bewegung per se als Therapiemaßnahme nicht die ultimative Lösung des Problems zu sein. Tatsächlich hat man beobachtet, dass gerade Spitzenathleten, die sich sehr viel bewegen und eine sehr ausgeprägte Skelettmuskulatur aufweisen, sehr oft eine zu schwache autochthone Rückenmuskulatur aufweisen und daher auch häufig von Rückenkrankheiten betroffen sind (Hides et al., 2008; Wassermann et al., 2018). Eine wirksame Rückentherapie sollte also gezielt die tiefliegende Rückenmuskulatur stärken, denn nur so kann man Rückenschmerzen effektiv behandeln und das Risiko dafür minimieren.

 

Isoliertes Trainieren der autochthonen Rückenmuskeln kann nur durch gezielte Fixierung geschehen

 

Die Ergebnisse von verschiedenen Studien belegen klar, dass Trainingsprogramme die auf eine Stärkung der tiefliegenden Muskulatur abzielen, Rückenschmerzen beseitigen können (Hides et al., 2008; Steele et al., 2015b). Aufgrund ihrer primären Funktion als Aufrichter und Stabilisator der Wirbelsäule werden diese Muskeln jedoch nicht willentlich kontrahiert. Ein isoliertes Training mit hoher Intensität ist daher nur sehr eingeschränkt möglich, auch aufgrund des Einflusses anderer Muskelgruppen wie den Hüftstreckern, die nicht selten die Hauptlast beim Rückentraining übernehmen (Steele et al., 2015b). Daher wurden im Laufe der letzten beiden Dekaden intensiv an der Entwicklung von geeigneten Trainingsgeräten geforscht, um diese Probleme zu umgehen. Die besten Trainingseffekte konnten dabei mit einem Fixierungssystem erzielt werden, welches die Grundlage der Dr. Alfen Trainingsgeräte bildet. Beim Training des unteren Rückens erhöht eine posteriore Beckenstabilisierung die Aktivierung der Rückenstrecker sowie der darunter liegenden autochthonen Muskelschichten und durch semi-sitzende Position wird die Aktivität der Hüftstrecker und der unteren Extremitäten minimiert (da Silva et al., 2009; San Juan et al., 2005; Larivière et al., 2010). Ähnliches gilt für die Maschinen zur Kräftigung der Halsregion (Schomacher & Falla, 2013; Pollock et al., 1993). Nur durch diese Maßnahmen kann eine muskuläre Erschöpfung im Bereich der autochthonen Muskulatur erreicht werden. Mithilfe von isometrischen Krafttests kann zudem die derzeitige Rückenstärke und somit mögliche Defizite und Dysbalancen ermittelt werden (Graves et al. 1990a,b; Robinson et al., 1992).

 

Optimale Ergebnisse und risikoarmes Training durch die Anpassung des Trainingsprotokolls an die Diagnosen des Patienten

 

Aufgrund von akuten und chronischen Beschwerden der Patienten ist es oftmals nicht möglich in vollem Bewegungsausmaß und mit maximalen Intensitäten zu trainieren. Daher sollte das Bewegungsausmaß und die Trainingsgewichte an die derzeitigen Symptome und den zugrundeliegenden morphologischen Veränderungen in der Wirbelsäule angepasst werden. Dies hat jedoch keinen verminderten Trainingsreiz zur Folge. Studien haben gezeigt, dass ein Training in eingeschränktem Bewegungsausmaß die Rückenstärke in allen Bereichen stärkt, auch diese die nicht direkt während dem Training angesprochen wurden (Graves et al., 1992; Steele et al., 2013). Daher können Trainingsprotokolle an die verschiedenen Diagnosen angepasst werden, ohne dass der Effekt auf die Muskulatur minimiert wird. Aus unserer Erfahrung ist die richtige Wahl und Erweiterung des Bewegungsausmaßes und der Trainingsgewichte essentiell für gute Therapieergebnisse. Mit der Entwicklung der Alflexus Software, die Einstellungen für 240 Diagnosen enthält, haben wir ein System entwickelt, das den Therapeuten hilft, das Training optimal zu steuern und Risiken zu vermeiden.

 

Trainingsfrequenzen und Intensitäten

 

Laut aktueller Datenlage sind 1-2 Trainingseinheiten pro Woche mit hohen Intensitäten und maximaler Muskelerschöpfung für optimale Therapieergebnisse ausreichend (Steele et al., 2015a,b; Graves et al., 1990b; Pollock et al., 1989). Interessanterweise ist dabei die Anzahl der Sätze nicht entscheidend, sodass ein Satz pro Trainingseinheit mit hoher Intensität und maximaler Erschöpfung ausreicht. Es gilt jedoch den aktuellen Schmerzzustand und das Wohlbefinden bei den Gewichtssteigerungen miteinzubeziehen und mit submaximaler Intensität die Therapie zu beginnen. Um den Zustand des Patienten dauerhaft zu stabilisieren, ist in der Regel eine Therapie über 18 Einheiten notwendig. Wie oben jedoch beschrieben, ist die Anpassung an die strukturellen Veränderungen bei dem jeweiligen Patienten ein sehr kritischer Faktor in der erfolgreichen Rehabilitation. Patienten mit Bandscheibenvorfällen sollten beispielsweise anders trainieren als solche mit degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule.

 

Klinische Erfolge belegt durch zahlreiche Studien

 

Metaanalysen haben klar belegt, dass isoliertes Training der tiefen Rückenmuskulatur bessere Ergebnisse produziert als alle anderen Trainingsformen und konservativen Behandlungskonzepte (Steele et al., 2015a). Es bewirkt höchst signifikante Verbesserungen der Beschwerden und körperlichen Beeinträchtigungen hin zu kompletter Schmerzfreiheit (Steele et al., 2017;Pollock et al., 1993; Evans et al., 2002). Die Behandlungserfolge korrelieren dabei mit dem erreichten Kraftzuwachs (Steele et al., 2018). Dies belegt, dass gut trainierte autochthone Rückenmuskeln auch eine optimale Rückengesundheit gewährleistet. Daten von neueren Studien belegen zudem, dass Bandscheibenvorfälle sich durch isoliertes Training regenerieren und geheilt werden können (Steele et al., 2015c).

 

Forschungsergebnisse des Dr. Alfen Teams

 

Daten aus unserer Klinik zeigen, dass über 88 % der behandelten Patienten über deutliche Verbesserung Ihrer Symptome berichten (Spang et al., 2017; Alfen & Spang, 2017). Diese Ergebnisse sind vor allem deswegen so erstaunlich, da ein Großteil der Patienten klaren OP Indikationen wie Bandscheibenvorfälle und Stenosen aufweist.

 

Zusammenfassung:

 

Das Therapiekonzept und die Trainingsmaschinen basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist in der Lage akute und chronische Nacken- und Rückenbeschwerden effektiv zu behandeln. Durch ständigen Austausch mit Wissenschaftlern und Kooperationen mit diversen Universitäten wird die Qualität ständig überwacht und die Therapie optimiert.

 

Literatur:

 

Dr. Alfen Team

  • SpangC, Wagenblast, Haas D, Alfen F. Clinical outcome of isolated lumbar extension resistance training for chronic lower back pain – a retrospective study on 626 patients; presented on Eurospine Congress, 2017, Dublin, Ireland.
  • AlfenF, Spang C. Isolated extension exercise and Transforaminal Endoscopic Surgery (TES) as treatment concept for chronic back pain; presented on BIT’s 4thAnnual World Congress of Orthopaedics, 2017, Taiyuan, China

 

Andere Quellen:

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  • DahlqvistJR, Vissing CR, Hedermann G, Thomsen C, Vissing J. Fat Replacement of Paraspinal Muscles with Aging in Healthy Adults. Medicine and Science in Sports and Exercise. 2017; 49(3):595-601.
  • EkinEE, Kurtul Yildiz H, Mutlu H. Age and sex-based distribution of lumbar multifidus muscle atrophy and coexistence of disc hernia: an MRI study of 2028 patients. Diagnostic and Interventional Radiology. 2016; 22(3):273-6.
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 Die tiefliegenden Muskelschichten der Hals- und Lendenwirbelsäule schützen unsere Bandscheiben

Die tiefliegenden Muskelschichten der Hals- und Lendenwirbelsäule schützen unsere Bandscheiben

Bild 1: Tiefliegende (autochtone) Rückenmuskulatur an der Lendenwirbelsäule (links) und der Halswirbesäule (rechts).

 Die Verfettung der tiefliegenden Rückenmuskulatur kann am MRT dargestellt werden

Die Verfettung der tiefliegenden Rückenmuskulatur kann am MRT dargestellt werden

Bild 2: Verfettete Rückenmuskulatur